Mit der Gesetzes-Verabschiedung Anfang Oktober 2020 sind erste Weichen gestellt, einen Schritt in Richtung „echter“ Digitalisierung zu gehen – also der Weiterentwicklung der Krankenhausleistungen mit digitalen Möglichkeiten. Ebenso kann der Investitionsstau in der IT-Sicherheit behoben werden, beispielsweise Ausfall- und Datensicherheit. Die weitere IT-Optimierung, z.B. von Prozessen zur Behandlungsqualität oder zur Kostensenkung, kann Fahrt aufnehmen.

Krankenhauszukunftsgesetz zur Förderung von Digitalisierungsprojekten. Das sollten sie vorab wissen:

Der „hih – health innovation hub“ des Bundesministeriums für Gesundheit weist darauf hin, dass es im KHZG nun vermehrt um digitale Services geht. Die Behandlungssicherheit soll erhöht werden und zum intersektoralen Informationsaustausch beigetragen. Orientiert an der „patient jouney“ sollen die Patientendaten standardisiert ins Krankenhaus hinein und wieder zurück an den einweisenden Arzt/Ärztin oder zur Anschlussbehandlung fließen.

1. Zeit

Voraussichtlich werden alle Einzelheiten der Antragseinreichung sowie die detaillierten Förderkriterien erst bis Ende 2020 durch die Länder festgelegt. Bis zur aussichtsreichen Antragstellung ist es jedoch ein weiter Weg:  Die Evaluation des individuellen Digitalisierungspotentials sowie eine fundierte Projektplanung brauchen Zeit und binden Kapazität. Förderanträge können durch die Länder bis zum 31.12.2021 eingereicht werden. Die Krankenhausträger können Bedarfsanmeldungen stellen, welche innerhalb von 3 Monaten bearbeitet werden. Letztendlich treffen die Länder die Entscheidung darüber, welche Vorhaben für eine Förderung beim Bundesamt für Soziale Sicherung eingereicht werden. Die Einreichung sollte spätestens im September 2021 erfolgen.

2. Finanzen

Der Bund stellt 3 Mrd. Euro zur Verfügung, welche nach dem „Königsteiner Schlüssel“ auf die einzelnen Länder verteilt werden. Die Länder (bzw. die Häuser/Träger) selbst steuern insgesamt 30 % der Fördersumme bei. Wenn man innerhalb der Länder von einer gleichmäßigen Verteilung der Mittel auf die Krankenhäuser ausgeht, dann könnte je Krankenhaus mit einer Förderung von etwa 1,7 und 2,5 Mio. Euro gerechnet werden. Jedoch werden Relevanz, Darstellung und Güte der Vorhaben eine entscheidende Rolle bei der Vergabe spielen. Für Krankenhäuser, die sich bis zum Jahr 2025 den digitalen Kernthemen nicht angenommen haben, drohen sogar Abschläge von bis zu 2 % auf alle Patientenrechnungen. Evaluiert werden soll dies über eine strukturierte Selbsteinschätzung der Krankenhäuser jeweils zum 30.06.2021 und zum 30.06.2023.

3. Förderthemen im Krankenhauszukunftsgesetz

Mittel sollen in IT- und Cybersicherheit, die Verbesserung der Ablauforganisation, der Optimierung von Dokumentation & Kommunikation, den Ausbau der Telemedizin sowie in die Umsetzung von Robotik-Projekten fließen.

Beispielhafte Projektthemen sind:

  • digitale Medikationsmanagement-Systeme,
  • die Einrichtung von Patientenportalen (digitales Aufnahme- und Entlass Management),
  • durchgehende, strukturierte elektronische (in Teilen automatisierte) und sprachbasierte Pflege- und Behandlungsdokumentation.

Eine strategische Innovation im Rahmen des KHZG ist auch die Möglichkeit, via Cloudbasierten IT-Infrastrukturen mehrere Krankenhäuser zu vernetzten. Der Gesetzgeber verlangt im KHZG zwei Dinge bei diesen Digitalisierungsvorhaben zu berücksichtigen: Interoperabilität und IT-Sicherheit. Wer sich diesen Zielen nicht annimmt, wird lt. hih keine Förderung erhalten.

So packen Sie konkrete Projekte an:

1. Digitalisierungsziel bestimmen

Der Fokus der Krankenhäuser liegt in folgenden Bereichen (Krankenhausstudie von Roland Berger aus dem Jahr 2018):

  • Cyber-Sicherheit – um den Schutz der kritischen Infrastruktur zu verbessern (z.B. Verschärfung der Firewall)
  • Prozessoptimierung hinsichtlich Kosten und Behandlungsqualität, z.B. durch ein digitales Abbild existierender Prozesse (u.a. digitale Patientenakte)

Eine weiterführende („echte“) Digitalisierung rückt durch neue Möglichkeiten in den Bereichen KI, Sensorik, Health-Cloud oder Robotik zunehmend in den Fokus der Krankenhäuser. Mittels dieser Optionen könnten Prozesse im Krankenhaus nicht nur optimiert, sondern grundlegend verändert werden.

2. Projekt konzipieren

Die erfolgreiche Umsetzung beginnt mit einer im Detail durchdachten Projektkonzeption, bei der auch mögliche Fallstricke identifiziert sind. Das Investitionsvorhaben sollte möglichst konkret abgegrenzt werden, um eine realistische Projektskizze zu erhalten. Ebenso benötigt wird eine nachvollziehbare und schriftlich dokumentierte Zeit-, Kapazitäten- und Budgetplanung. Bereits in der Projektkonzeption ist es wichtig, Kostenvoranschläge einzuholen und potentielle Partner für die Zusammenarbeit im Projekt anzufragen. Eine nach den Förderrichtlinien adäquate Projektdokumentation und Nachweisverwaltung sollte ebenfalls von Beginn an eingeplant werden.

3. Förderwürdigkeit prüfen (Krankenhauszukunftsgesetz)

Bereits in der Projektkonzeption sollte geprüft werden, ob notwendige Fördertatbestände lt. §19 KHZG erfüllt werden. Diese sind im Bereich der Digitalisierung wie folgt beschrieben (auszugsweise):

  • „…Anpassung der technischen und insbesondere der informationstechnischen Ausstattung der Notaufnahme …“
  • „…Einrichtung von Patientenportalen für ein digitales Aufnahme- und Entlassmanagement …“
  • „…Einrichtung einer durchgehenden, strukturierten elektronischen Dokumentation von Pflege- und Behandlungsleistungen …“
  • „… Einrichtung (von) teil- oder vollautomatisierter klinischer Entscheidungsunterstützungssysteme …“
  • „… Einrichtung eines durchgehenden digitalen Medikationsmanagements …“
  • „…Einrichtung eines krankenhausinternen digitalen Prozesses zur Anforderung von Leistungen …“
  • „… wettbewerbsrechtlich zulässige Maßnahmen, die zur Abstimmung des Leistungsangebots mehrerer Krankenhäuser erforderlich sind, …“
  • „…Einführung und Weiterentwicklung eines onlinebasierten Versorgungsnachweissystems …“
  • „… Beschaffung, Einrichtung, Erweiterung oder Entwicklung informationstechnischer, kommunikationstechnischer und Robotik basierter Anlagen, Systeme oder Verfahren …“
  • „… Beschaffung, Errichtung, Erweiterung oder Entwicklung informationstechnischer oder kommunikationstechnischer Anlagen, Systeme oder Verfahren, um die nach dem Stand der Technik
    angemessenen organisatorischen und technischen Vorkehrungen zur Vermeidung von Störungen …“
  • „…Vorhaben zur Anpassung von Patientenzimmern an die besonderen Behandlungserfordernisse im Fall einer Epidemie …“

Darüber hinaus müssen die von den Ländern definierten detaillierten Förderkriterien in die Projektkonzeption einfließen. Ebenso muss berücksichtigt werden, ob die zu erwartenden Investitionen zu den in §20 KHZG genannten förderungsfähigen Kosten gehören. Hierzu zu zählen beispielsweise:

  • Technische/informationstechnische Maßnahmen (einschließlich der Kosten für Beratungsleistungen bei der Planung des Vorhabens),
  • Kosten für erforderliche personelle Maßnahmen und Schulungen,
  • Kosten für räumliche Maßnahmen (soweit für das Digitalisierungsprojekt notwendig) dürfen max. 10% der gewährten Fördermittel beanspruchen,
  • Nachweiskosten der Projektdokumentation lt. §25 KHZG,
  • Kosten für Systembereitstellung und Softwarelizenzen.

4. Antrag stellen (Krankenhauszukunftsgesetz)

Erfolgsversprechende Antragsunterlagen, mit allen notwendigen Dokumenten und Nachweisen, erfordert oftmals Experten-Know-How. „Der Prozess der Antragstellung ist im Wesentlichen in § 14a Absatz 4 des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (KHG) beschrieben: Die Entscheidung über eine Förderung nach dem Krankenhauszukunftsfonds beginnt mit der Bedarfsanmeldung des Krankenhausträgers gegenüber dem jeweiligen Land. … Mithilfe dieser Bedarfsanmeldung sollen die Krankenhausträger gegenüber den jeweiligen Ländern geplante Digitalisierungs- und Modernisierungsvorhaben und insbesondere die notwendigen Finanzmittel benennen. Das Land trifft sodann die Entscheidung, für welche Vorhaben eine Förderung beim BAS beantragt werden soll. …“ (Quelle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/krankenhauszukunftsgesetz/faq-khzg.html)

Es gilt, schlüssige, prägnante und nachvollziehbare Fördermittelanträge zu formulieren und diese fristgerecht einzureichen.

Darauf sollten sie in der Projektumsetzung achten:

Zu erwartende Umsetzungshürden aus Sicht von Krankenhausleitungen (lt. Krankenhausstudie 2018 von Roland Berger):

  • Zusatzbelastung für Organisation und Beteiligte,
  • Zu hoher Innovationsbedarf/fehlende finanzielle Mittel,
  • Mangelndes digitales Know-How,
  • Probleme beim Datenaustausch/Datensicherheit,
  • Widerstände innerhalb der Belegschaft.

Um diese Hürden zu nehmen, kann Unterstützung von „außen“ hilfreich sein – beispielsweise zur Evaluation des Digitalisierungspotentials und zur Projektdefinition, zur Antragsstellung von Fördermitteln, für Teilprojekte oder zur übergreifenden Projektsteuerung. Letztlich geht es darum, die Zukunft des Krankenhauses zu sichern ohne interne Kapazitäten zu überfordern. Ratsam ist auch eine begleitende Organisationsentwicklung, die hilft, Hürden abzubauen und Betroffene zu beteiligen, ohne den Arbeitsalltag mit Zusatzaufgaben zu überfrachten.

Conrata unterstützt Sie gerne mit Rat & Tat.

AutorinSilke Herbrand